Neue Bücherei - Umbau oder Neubau?

Seit einiger Zeit befasst sich die CDU-Fraktion intensiv mit dem Thema "Neue Bücherei ".

In der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses am 13. Dezember 2001
wurden von der Verwaltung die Ausschreibungsergebnisse für den Umbau des früheren Altenheimes zu einer öffentlichen Bücherei vorgestellt. Wegen der erheblichen Abweichung zwischen der Kostenschätzung und dem Ausschreibungsergebnis wurde die Verwaltung vom Ausschuss beauftragt, in Zusammenarbeit mit dem Architekten, die Planung noch einmal vollständig zu überprüfen.
Im Januar
informierten sich Mitglieder der CDU-Fraktion im Rahmen einer Besichtigung über den vorhandenen Gebäudebestand an der Weseler Straße. Außerdem besuchte man mehrere Büchereien in der Umgebung, um sich über Größe und Ausstattung vergleichbarer Objekte kundig zu machen.

In einem Brief an den Bürgermeister Udo Rößing
stellte die CDU-Fraktion daraufhin folgende grundsätzliche Fragen zum Bauprojekt:

Wo liegen die wesentlichen Gründe für die erheblichen Abweichungen zwischen der Kostenschätzung, der finanziellen Vorsorge im Haushaltsplan der Gemeinde und dem Ausschreibungsergebnis?

Welche Einsparungsmöglichkeiten bestehen, wenn die bisherige Konzeption, Umbau des sogenannten Schwesternwohnheimes, beibehalten wird?

Welche Alternativen sieht die Verwaltung, wenn sich bei Beibehaltung der bisherigen Konzeption keine wesentlichen Einsparmöglichkeiten ergeben?

Wie beurteilt die Verwaltung die Alternative eines Neubaus zum bisher geplanten Umbau?

Ohne der anstehenden Diskussion im zuständigen Ausschuss vorgreifen zu wollen, erwartete die CDU-Fraktion auch Klärung in der Frage, wie weit in den Altgebäudebestand eingegriffen werden müsste, wenn auf dem Grundstück eine Neubaulösung verwirklicht werden sollte.
Eine Neubaulösung hätte aus Sicht der CDU-Fraktion den Vorteil, dass in Anlehnung an die Nachbarbebauung, Kindergarten St. Martin, eingeschossig nach den neuesten bauphysikalischen Anforderungen, z. B. ohne einen aufwendigen Aufzug gebaut werden könnte. Der Neubau sollte zweckmäßig sein. Er sollte so konzipiert sein, dass je nach Bedarf im Baukastensystem Erweiterungen möglich sind. Das räumliche Angebot sollte aus Kostengründen jetzt aber auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt bleiben. In die Überlegungen sollte einbezogen werden, dass für öffentliche Veranstaltungen wie Lesungen usw. auch die in unmittelbarer Nachbarschaft vorhandenen Räume der Villa Becker mit genutzt werden könnten.
Bei den Abrisskosten der Gebäude handelt es sich aus Sicht der CDU-Fraktion um einmalige Kosten, die langfristig durch eine deutlich günstigere Folgekostensituation für einen Neubau überkompensiert würden.


In der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses am 14.02.02 nahm die Verwaltung dazu Stellung:
Die Kostenschätzung wurde anhand der Vorentwurfspläne in einem frühen Planungsstadium erstellt. Danach wurden jedoch noch mehrere Änderungen in die Planung eingebracht. Ursprünglich nicht vorgesehene Sanierungsmaßnahmen sowie erhebliche Mehrleistungen für die Tragwerkskonstruktion, den Brandschutz, den Schallschutz und die Wärmedämmung führten nach Einschätzung der Verwaltung zu der großen Differenz zwischen der Kostenschätzung und dem Ausschreibungsergebnis.

Nach eingehender Prüfung geht man von Einsparmöglichkeiten von ca. 50.000 € gegenüber den Ausschreibungsergebnissen aus, so dass die Kosten der gesamten Maßnahme, Umbau des ehemaligen Altenheimes und Renovierung des Vorderhauses, sich auf ca. 777.000 € belaufen würden.

Die Verwaltung sieht zurzeit drei Alternativen für die Schaffung einer öffentlichen Bücherei am Standort des ehemaligen Altenheimes:

1. Umbau des früheren Altenheimes zu einer Bücherei sowie Renovierung des Vorderhauses:
· die Gesamtkosten dieser Lösung belaufen sich nach Prüfung der Einsparmaßnahmen auf ca. 777.000 €,
· es würde eine Nutzfläche von ca. 670 m2 geschaffen,
· Nachteil: durch das größere Volumen entstehen höhere Unterhaltungskosten.

2. Neubau der Bücherei an der Stelle des abzureißenden Altenheimes sowie Renovierung des Vorderhauses:
· die Gesamtkosten dieser Lösung belaufen sich auf ca. 843.000 €,
· es wird eine Nutzfläche von 550 m2 geschaffen,
· Nachteil: Bei diesen Kosten ist keine behindertengerechte Erschließung des Vorderhauses enthalten.

3. Abriss des Altenheimes und des Vorderhauses sowie Neubau der Bücherei auf der Freifläche:
· die Gesamtkosten dieser Lösung belaufen sich auf ca. 716.000 €,
· es wird eine Nutzfläche von nur 350 m2 geschaffen

Die Verwaltung sieht durch den Vergleich der Baukosten zu den Nutzflächen in der Renovierung der vorhandenen Gebäude die wirtschaftlichste Lösung. Die höheren Unterhaltungskosten wären zu rechtfertigen, wenn die vorhandenen Flächen tatsächlich und auch sinnvoll genutzt würden.

Doch wird diese große Fläche wirklich gebraucht? Hier und bei der Höhe der Bewirtschaftungskosten hat die CDU-Fraktion hat noch Klärungsbedarf.
"Wir können uns mit der Komplettrenovierung noch nicht anfreunden," so Jochen Welsing für die CDU-Fraktion, "Ist dieses Überangebot an Platz wirklich nötig?"



Auf einer Sondersitzung am 14. März 2002
stimmte mit zehn Ja- zu zwei Neinstimmen die Mehrheit des Bauausschusses für die Alternative 1, einen Umbau des ehemaligen Altenheims in eine Bücherei und für die Sanierung des Vorderhauses (altes Schwesternhaus).
Damit ist ein Neubau endgültig vom Tisch.

Allerdings sieht der Beschluss Veränderungen gegenüber der ursprünglichen Planung vor. So soll das Obergeschoss soll nicht mehr für die Bücherei mitgenutzt werden. Die Verwaltung wurde beauftragt, zu prüfen, wie die erste Etage räumlich abgetrennt, und wie dafür der Treppenaufgang gestaltet werden kann.
Die CDU-Fraktion will aus Kostengründen auf zusätzliche Toiletten im Obergeschoss verzichten. Das verbindende Gelenk zwischen beiden Gebäuden soll wie geplant bestehen bleiben. Zudem soll geprüft werden, was von der vorhandenen Ausschreibung im Nachhinein noch genutzt werden kann.

Kontrovers diskutierte der Ausschuss abermals die Unterhaltungskosten der einzelnen Bauvarianten. Wenn die beschlossene Baumaßnahme abgeschlossen ist, rechnet die Verwaltung derzeit mit jährlichen Folgekosten von rund 32.000 €.


Sitzung des Bau- und Umweltausschusses am 18.04.02

In der dritten Sitzung des Bau- und Umweltausschusses wurde einstimmig die Planung des Obergeschosses beschlossen, die eine von der Bücherei unabhängige Nutzung ermöglicht. Sieben Räume mit einer unterschiedlichen Größe zwischen 15 und 52 Quadratmetern sollen entstehen.
Der Vorteil dieser Variante ist, dass nur sehr wenig Bausubstanz im Obergeschoss abgebrochen werden muss und daher ein Teil der veranschlagten Mehrkosten von 150.000 Euro eingespart werden kann.

Das bestehende Treppenhaus soll direkt an den neuen Eingangsbereich angebunden werden.Der abschließbare Zugang zur Bücherei im Erdgeschoss befindet sich im Vorbereich der Treppe.