Renaissance Tiergarten Raesfeld

Aus über 500 eingereichten Projektideen hat der Lenkungsausschuss der REGIONALE 2004 dem Land NRW 20 Vorhaben zur Realisierung empfohlen.
Als erstes "Korrespondenz-Projekt" außerhalb des eigentlichen REGIONALE-Raumes war darunter auch das Projekt „Renaissance Tiergarten Raesfeld“ als einer der ältesten erhaltenen deutschen Renaissance-Schlossgärten.
Foto: Reinhard G. NießingFoto: Reinhard G. Nießing
Projektziel ist es, das historische Erbe nicht nur zu bewahren, sondern zu revitalisieren und um begleitende Einrichtungen zu erweitern.

Dazu enthält das Projekt verschiedene Bausteine:

• Die Revitalisierung des verwilderten parkähnlichen Waldgeländes soll durch forstliche und landschaftsbauliche Maßnahmen geschehen.

• Der Tierbestand soll durch Rot- und Damwild ergänzt werden, um den Besuchern die ursprüngliche Nutzung des Renaissance-Tiergartens und die kulturhistorische Bedeutung vermitteln zu können.

• Zur Vermittlung der natur- und kulturhistorischen Inhalte soll eine umweltpädagogische Bildungseinrichtung geschaffen werden.

Das geplante Besucherzentrum am Rande des Tiergartens sorgte besonders für Diskussionen. 560 m2 Nutzfläche auf zwei Etagen sollen das noch zu gründende Bildungszentrum, eine moderne Ausstellung, Schulungs- und Tagungsräume sowie eine touristische Informationsstelle und weitere Serviceelemente aufnehmen.
Damit kann dieses Gebäude zum Anlaufpunkt für Gruppen, Schulklassen und naturverbundene Touristen werden.
Der Entwurf des Besucherzentrums stammt vom Architektenteam Farwick und Grote aus Ahaus und gewann den hierfür ausgeschriebenen Architektenwettbewerb unter acht eingereichten Arbeiten. Eine Glashaut umspannt einen lang gezogenen Holzkubus.
„Ein Bauwerk, das Prägnanz hat und selbstbewusst zum Schloss steht, ohne dem Schloss die Schau zu stehlen“, so die Architekten. Nicht unumstritten, so sehen es einige Kritiker, die das geplante Gebäude als „Kiste“ betitelten.

Wichtig für Erholung suchende Besucher und für die an der Natur interessierten Touristen: der Eintritt in den Tiergarten soll auch nach der Einzäunung für jedermann kostenlos und durch sechs Einlässe, ähnlich den derzeitigen Zugängen, möglich sein.

Besonders intensiv erörtert wurden natürlich die Kosten des Projektes.
80 % der Kosten für die Revitalisierung des Tiergartens und 70 % der Kosten für den Bau des Informations- und Besucherzentrums trägt das Land NRW. Der Kreis Borken und die Gemeinde Raesfeld teilen sich den verbleibenden Rest je zur Hälfte.
Für Raesfeld bedeutet dies eine Investition von rund 333.000 Euro. Hinzu kommen noch der Gemeindeanteil an den Betriebskosten für die Tiergartenunterhaltung und den Betrieb des Zentrums von etwa 40.000 Euro pro Jahr.
Positiver Aspekt bei der Umsetzung des Projektes: Die Revitalisierung des Tiergartens kann dem Kreis und den Gemeinden zukünftig als Fläche für gesetzlich vorgeschriebene Ausgleichsmaßnahmen bei Eingriffen in die Landschaft dienen.

Nicht nur im Rat auch in der CDU-Fraktion ist das Projekt eingehend und kontrovers diskutiert worden, doch am 17. Februar hat sich der Raesfelder Rat bei 18 Ja- gegen 10 Nein-Stimmen für das Tiergartenprojekt sowie den Eintritt in den zu gründenden Trägerverein ausgesprochen.


„Eine Chance, die sich für Raesfeld nur einmal bietet“, so sah es der CDU-Fraktionsvorsitzende Karl-Heinz Tünte in seiner Rede am 17. 02.03 vor dem Raesfelder Rat.
Raesfeld möchte die Chance nutzen.